209
„Geſtorben wie ein Held, wie die Wohlthäter der Menſchheit ſterben, die ein Gott in ſeinen Himmel verſetzt.“
Frohlieb ſtand wie beſinnungslos; was er hörte, konnte er nicht begreifen. Wie in weiter Ferne ſah er den Unglücksboten vor ſich und faßte doch nach ihm, als wollte er ihn feſthalten.
„Woher weißt Du das?“ ſagte er leiſe.
„Weil ich es mit angeſehen habe. Weil es ſo zu ſagen vor meinen Augen geſchehen iſt.“
„Und wir ſtehen hier! Wir ſtehen hier!“
„Bleib,“ ſagte Leiſegang,„Du kannſt gar nichts ändern. Dieſer Mann hat die ganze Welt betrogen, nur den Tod nicht, der iſt der Einzige, mit dem er es ehrlich gemeint hat, und lange muß er darauf vorbereitet geweſen ſein. Wahrhaftig! Wilhelm, ich bewundere ihn jetzt mehr, als da er lebte. Mit Schaudern habe ich mir vorgeſtellt, wie er ſeit Jahren immer bereit geweſen ſein muß, den Sprung in das große Nichts zu thun. Und dabei immer heiter, immer froh, immer würdig einherwandelnd, zu Gottes Wohlgefallen und aller Menſchen Freude. Jeden Tag konnte die Uhr ihm ſchlagen, jeden Morgen mußte er im Zweifel ſein, ob er die Abendſonne noch ſehen werde. Zu aller Zeit mußte er das Mittelchen bei der Hand haben, das ihn über Schande und Sorge fort⸗ führte.“
1859. IV. Täuſchung und Wahrheit. 14


