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Täuschung und Wahrheit : eine Geschichte aus dem Leben / von Th. Mügge
Entstehung
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Leiſegang kam nicht, er war zu beſchäftigt oder unwohl, oder irgend ein glücklicher Zufall hielt ihn feſt, und in⸗ zwiſchen wurde es ſpät und immer ſpäter. So war wiederum Zeit, wenigſtens ein Tag gewonnen. Damit zugleich fiel aber auch die Einladung zu dem Gaſtmahle des Kriegsraths fort und eine andere Laſt von dem be⸗ drückten Herzen. Welche Qualen hätte er ertragen müſſen! Welche zehnfach ſchmerzensvolle Noth wurde ihm erſpart! Eine dankbare Empfindung drängte ſich ihm auf, und in die Ruhe verſinkend, welche ſie ihm brachte, dachte er noch einmal über das nach, was er thun wollte. Die grauen Wolken der Gleichgültigkeit wanden ſich um Schmer⸗ zen und Erinnerungen, welche wie Schatten darin ver⸗ ſanken. Er dachte ſich, was er hundert Mal ſchon gedacht hatte, die Freude ſeines Vaters, die Thränen ſeiner Mutter, und ein thätiges, ſtrebſames Leben. Die ſanften Hände der Verſöhnung legten ſich auf ſein Herz, und was mit ſchwarzen feſten Zügen darin geſchrieben ſtand, erblaßte in der Hoffnung, Andere glücklich zu machen, ſelbſt die Frau, von der er wenige Liebe, wie er dieſe empfand, aber doch ein erträgliches Beiſammenleben durch ſeine Milde und Nachgiebigkeit erwartete. Er wollte ſchon mit ihr fertig werden, und wie Leiſegang geſagt hatte, die Ge⸗ wohnheit würde hinzukommen und ihren Frieden mit⸗ bringen. Indem er dies ſich ſagte, ſah er Leiſegang