Zwölftes Capitel.
Wilhelm wartete ſeit drei Stunden auf ſeinen Freund, aber dieſe Stunden waren ihm in beklemmender Unruhe zu Ewigkeiten geworden. Er ſuchte ſich durch Arbeiten von den Vorſtellungen zu befreien, die ihn verfolgten, doch das war unmöglich. Immer kam ihm in den Kopf, was er Thereſen ſagen wollte, und ſo gut er es auswendig gelernt hatte, verwirrten ſich die Worte immer wieder. Dann ſah er ſich wirklich zu ihren Füßen um Gnade und Liebe bittend und ſein Blut rollte glühend durch alle Adern, endlich glaubte er in ihre Augen zu blicken, er ſollte freudig ſein, Glückſeligkeit heucheln, und Fieberfroſt lief ihm dabei durch Mark und Bein. Alle Augenblicke ſah er nach der Uhr, oder zum Fenſter hinaus, und wenn die Thür ſich öffnete, ſchrak er zuſammen. Endlich jedoch verwandelte ſich dieſe Unruhe in ein Gefühl der Zufriedenheit, denn


