Druckschrift 
Täuschung und Wahrheit : eine Geschichte aus dem Leben / von Th. Mügge
Entstehung
Einzelbild herunterladen

Nein! Nein! rief Madame Petermann ängſtlich, die kleine Frau umfaſſend.

Ja, ja! ſchrie Herr Frohlieb,er muß curirt werden. Hierher, Willem! Komm her, Du bei dieſem Worte ſchnappte ihm die Stimme plötzlich ab, und während er ein paar gelenkige Verbeugungen machte, begann er mit erneuter Redſeligkeit:J Herr Jees! Sie ſind es, liebſter

Herr Finanzrath, kommen Sie doch näher, ſetzen Sie ſich ein bischen zu uns. Friſches Wetter heute! Immer näher

heran, wo es warm iſt, Herr Finanzrath.

Der Herr, welcher hereingetreten war, blieb jedoch an der Thür ſtehen und beantwortete dieſe Einladungen mit einer Verneigung gegen die Damen. Es war noch hell genug, um ſehen zu können, daß er wenig mehr als dreißig Jahre zählen mochte, aber er war ungewöhnlich ſtark beleibt, ſein Kopf dick und fleiſchig, die Stirn hoch und das lichtbraune Haar ſehr dünn. Madame Petermann wandte ihr hübſches Geſicht von ihm ab, als hätte ſie keine Luſt, weder ihn zu beachten, noch ſich beachten zu laſſen.*

Ich wollte nur zuſehen, ſagte der Finanzrath,ob Wilhelm etwa ſchon hier wäre.

Er muß kommen, jede Minute erwarten wir ihn, erwiederte Herr Frohlieb.Nehmen Sie gefälligſt Platz, liebſter Herr Finanzrath, und unterhalten Sie die Damen.

1