10
„Allerdings,“ erwiederte er,„allein ich beſtreite es, daß meine Gedanken böswillig ſind.“
„Wollen Sie ein Bekenntniß ablegen und mein Urtheil erwarten?“ fragte ſie.
„Das will ich,“ war ſeine Antwort,„ich hoffe jedoch auf einen parteiloſen Richter. Man erzählt ſich von dem hiſtoriſchen Fürſten von Deſſau, daß er nur Eine Melodie kannte; jede andere Muſik, welche er hörte, kam ihm immer vor, wie der deſſauer Marſch. Noch viel ſchlimmer aber ging es einem arkadiſchen Jüngling Namens Trifonius. Er verliebte ſich ſterb⸗ lich in eine reizende Schäferin, doch entſetzlich! dieſe Leidenſchaft verblendete ihn dermaßen, daß nach eini⸗ ger Zeit alle Mädchen ſeiner Geliebten glichen und er keine mehr von ihr unterſcheiden konnte.“
„Was wollen Sie denn eigentlich damit ſagen, und welche Anwendung hat dieſes entſetzliche Un⸗ glück auf mich?“ lachte Hedwig.
„Eine ſehr nahe,“ erwiederte er.„Seit einer halben Stunde bemühe ich mich vergebens, Ihre Aufmerkſamkeit zu erregen; Ihre Gedanken ſind je⸗ doch mit einem ganz anderen Gegenſtand beſchäftigt, und Ihre Blicke verrathen mir zuletzt, daß ich ſeine Geſtalt angenommen haben muß.“
„Ich dachte an ihn, Sie haben Recht!“ rief


