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Benehmen hatte ſich Herr Niedlich häuſig ſchon geär⸗ gert. Der Regierungsrath war aber auch ein feiner Herr. Zierlich von Geſtalt trug er eine goldene Brille, durch deren funkelnde Gläſer ſeine Augen einen ſon⸗ derbar ſcharfen Glanz erhielten. Sein Geſicht war blaß, ein wenig verlebt, die Züge ſchlaff, von der Naſe nach dem Munde zogen ſich zwei tiefe Falten; der ganze Ausdruck des Kopfes aber war bedeutend. Herr Niedlich fuͤhlte einen gewiſſen Reſpect vor der Klugheit, Vornehmheit und Sicherheit, welche er be⸗ wunderte.
Wie Herr von Wolters da auf dem Divan ſaß und die Eigenſchaften der beſten Auſtern beurtheilte, die Manchetten aufgeſtreift, das Meſſer in den feinen Fingern hielt und mit größter Zierlichkeit ſchnitt, trank und erzählte, daß er jeden Abend hier ſoupire, weil ein gebildeter Menſch hier allein ſich wohlbehaglich fühlen könne, fühlte ſich Herr Niedlich hingeriſſen von der Wahrheit dieſer beglückenden Lehren, und um in der höheren Bildung nicht zurück zu ſtehen, nahm er ſich vor, ſo viel davon ſich anzueignen, als er irgend vermochte. Er griff daher erbarmungslos zu und zeigte eine bewundernswerthe Gelehrigkeit. „Es iſt ausgezeichnet!“ ſagte er, haſtig ſchlurfend


