Teil eines Werkes 
1. Band (1858)
Einzelbild herunterladen

Der Paſſagier des Bootes, welcher es gemiethet hatte, um damit nach der Handelsſtelle von Lenvig zu gelangen, ſaß oben auf dem Halbdeck, auf einigen Kiſſen, an welchen er halb lie⸗ gend lehnte, und betrachtete nachſinnend und ſchweigend den düſte⸗ ren Kranz zerriſſener Felſen und Felſennadeln, die überall aus dem Meere aufwuchſen, ſpitz und zackig ihre kahlen Häupter in die klare Luft tauchten, und ihre Wände und ſchroffen Seiten im hellen Sonnenlichte glänzen ließen.

So weit das Auge reichte, war nichts zu entdecken, als dies öde, lautloſe Felſengewirr; die hohe Nordlandsküſte in ihrer ſchweigenden Wildheit, die Meeresſchlünde, welche ſich darin ver⸗ loren, nur da und dort ein grüner Streif, ein weiß leuchtendes Birkengebüſch, eine Felſenſpalte, wo ſchwarze, traurige Nadel⸗ bäume wuchſen, oder ein kleines Thal, durch welches ein Bach in haſtigen Sprüngen und Waſſerſtürzen niederſchoß.

Auf den Klippen und Steinen, die aus dem blanken ſtillen Meere ragten, ſaßen eben ſo ſchweigſame Vögel in dichtgedrängten Haufen. Rothkämmige Alken ſteckten die Köpfe zuſammen, viele andere entenartige Thiere und große Möven ſonnten ſich behag⸗ lich und ließen das Boot vorüberziehen, ohne ſich zu rühren; nur bei einem heftigen Geplätſcher der Ruder, oder bei dem lau⸗ ten Ruf der Bootsleute fuhr ein Schwarm in die Tiefe und verſchwand darin ohne Lärm und Geſchrei.

Der Reiſende warf ſich mißmuthig auf die andere Seite und ſtarrte über ein weites Waſſerbecken auf die zahlloſen Klip⸗ pen und Brocken zwiſchen den großen Inſeln Hindöen und Sen⸗

7

jenben. Ganz dieſelben Felſen, dieſelbe Oede, dieſelbe wilde Größe