Teil eines Werkes 
3. Band (1872)
Entstehung
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ſich auf ihr Zimmer zurückzog, von der Baronin Bill⸗ mann und Sophie verabſchieden. Zufällig hörte Graf

Ferdinand den Vater Mariens, als er dieſe aus dem

Saale führte, äußern, die beiden Damen ſeien nicht zu finden; gleich darauf ſah der Graf die Oberhofmeiſterin von Starrfels in übelſter Laune durch die Säle ſteuern. Er näherte ſich ihr und erfuhr bald, daß und weshalb ſie den König ſprechen wolle. Auffallender⸗ weiſe ſei aber der Monarch nirgends ſichtbar. Der Graf erinnerte ſich jetzt an die Berichte ſei⸗

nes Sohnes zur Zeit, als der König noch die Villa

am See bewohnte. Eine ernſtliche Neigung für die ſchöne Sophie hatte damals den jungen Fürſten er⸗ füllt; war dieſe Leidenſchaft durch Sophiens Kälte nicht ausgelöſcht worden oder durch das Wiederſehen von neuem entflammt? War die Sprödigkeit des wun⸗ derſchönen Mädchens vielleicht nur Maske geweſen? Begünſtigte etwa die Prinzeſſin Eliſabeth ein Liebesverhältniß zwiſchen Sophie und ihrem Bruder, um dieſen in größerer Abhängigkeit von ſich zu er⸗ halten? Zwar hatte Graf Ultritz immer gewünſcht, der König möge die Zeit in Liebeleien vertändeln, keines⸗ wegs aber lag es im Intereſſe des Miniſters, daß dies ohne ſein Wiſſen, ohne ſeine Einmiſchung geſchah.