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zig Jahre alt ſein, als ich die Ehre hatte, im Beſuch⸗ Zimmer des Findelhauſes zum erſten Male ihm vorge⸗ ſtellt zu werden. Er war von mittlerer Größe, ſein Geſicht war ſchmal, ſeine Naſe ſehr gekrümmt, ſeine Augen klein und durchdringend, freundlich funkelnd, ſein Mund groß, und am einen Winkel herabhängend. Er war von kräftigem Körperbau, und führte eine be⸗ trächtliche vorſtehende Ründung, die er mit ſeiner Lin⸗ ken ſehr behaglich zu ſtreicheln pflegte; ſeine Beine waren jedoch ſpindeldünn, ſo daß ſein Anblick an irgend einen Vogel aus dem Kranich⸗Geſchlecht erinnerte. Ich kann in der That ſagen, daß er gerade wie eine Citrone ausſah, welcher ein paar Schwefelhölzer als Beine an⸗ geſetzt ſind. Er trug ein ſchwarzes Kleid und Weſte,
eine weiße Halsbinde, und hohe Hemdekragen, blaue
Strumpfhoſen und hohe Stiefeln, welche beide ſo eng anſchloſſen, daß man glauben mußte, er ſei ſtolz auf ſeine Spinnenfüße. Sein Hut war breiträndig und niedrig, und in der Rechten trug er ein ſtattliches ſchwarzes Rohr mit goldenem Knopfe, den er ſtets an ſeine Naſe emporhob, wenn er ſprach; gerade wie die zu einer Conſultation verſammelten Aerzte auf den Zerrbildern dargeſtellt werden. War ſeine Figur ſon⸗ derbar, ſo waren es ſeine Redeweiſe und ſeine Manie⸗ ren doch noch mehr. Er ſprach, wie einige Vögel flie⸗ gen, in Stößen, warf ewige»Hem— hems« zwiſchen ſeine Worte, denn er beendete niemals einen ganzen Satz, und ſchloß mit»ſo fort,« ſeinen Zuhörern es überlaſſend, aus dem Zuſammenhange zu errathen, was er ſagen wollte. Faſt fortwährend in Bewegung ver⸗ anderte er gewöhnlich ſeine Stellung, ſobald er aufge⸗ hört hatte zu reden, und ſtelzte im Storchengang, ſelbſt genügſam auf die Zehe tretend, ſein Rohr an der Naſe,
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