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erlaubten, mich zurückzufordern. Ich hatte jedoch einen großen Vortheil vor den anderen Findelkindern voraus. Die mit mir aufgehängten funfzig Pfund floſſen nicht
in die Kaſſe der Anſtalt, ſondern wurden durch die
Vorſtände, die mit meiner Aufführung zufrieden waren und meine Fähigkeiten für ſehr bedeutend. hielten, zu meinem Beſten verwendet. Statt mich bei irgend ei⸗ nem Handwerker in die Lehre zu thun, verſchafften ſie mir eine Lehrlingſtelle bei einem Apotheker. Und nun, da wir aus dem Findelhauſe heraus ſind, dürfen wir nicht mehr ſo raſch weitergehen.
Der Apotheker, der mich unter ſeine Aegide nahm,
war ein Herr Phineas Cophagus, deſſen Haus zu ſei⸗
nem Geſchäfte auf das trefflichſte gelegen war, indem die eine Seite der Apotheke auf Smithfield⸗Market, die andere auf die zu demſelben Markte führende Haupt⸗ ſtraße öffnete. Es war ein Eckhaus, das aber nicht in einem Winkel lag. Zu beiden Seiten der Apotheke befanden ſich Branntweinladen, neben dieſen Gaſthäuſer, und neben dieſen wiederum Speiſehäuſer, die von Vieh⸗ händlern, Schlächtern und Roßtäuſchern beſucht wur⸗ den. Tranken ſie ſo viel, daß ſie in Streit geriethen und ſich die Köpſe zerſchlugen, wer war ſo nahe bei der Hand, um ſie zu verbinden, als Mr. Cophagus?*) Aß ein dicker Fleiſcher ſo ſtark, daß ihn der Schlag rührte, ſo war nichts bequemer, als daß Mr. Copha⸗ gus zum Aderlaß ſo nahe wohnte. Wurde Jemand durch einen Stier verwundet, ſo erſchien augenblicklich
Mr. Cophagus mit ſeinem Pflaſter und ſeiner Charpie. 4
*) Die Avotheker in England pflegen bekanntlich zugleich als Aerzte und Wundärzte zu praktifiren. Anm. d. Ueberſ.
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