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Mechaniſch drehte er den Brief um. Das Siegel war ſchwarz. Philipp ſeufzte. „Ich kann ihn jetzt nicht leſen,“ dachte er, indem er aufſtand, um ſeine unſtäte Wanderung wieder aufzunehmen. Nach einer halben Stunde weiterer Bewegung machte Philipp Halt und blickte nach der niedergehenden Sonne, bis ihm ſein Ge⸗ ſicht verging. „Ich könnte mir vorſtellen, ſie ſei das Auge Gottes,“ dachte Pphilipp,„und vielleicht iſts ſo. Aber warum, barmherziger
Schöpfer, bin ich unter ſo vielen Millionen auserleſen, eine ſo furchtbare Aufgabe zu erfüllen?“
Er ſah ſich nach einer Stelle um, wo er gegen Beobachtung geſichert war, wo er das Siegel erbrechen und die Botſchaft aus der Geiſterwelt leſen konnte. Nicht weit von der Stelle, wo er ſtand, befand ſich ein kleines Gebüſch am Saume eines Waldes. Er ging darauf zu und ſetzte ſich nieder, um von keinem Vorüber⸗ gehenden bemerkt zu werden. Abermals blickte er nach der nieder⸗ gehenden Scheibe des Tages und wurde ruhiger.
„Es iſt dein Wille!“ rief er:„es iſt mein Geſchick, und Beides muß erfüllt werden.“
Philipp legte die Hand an das Siegel— das Blut zuckte ihm eiskalt durch die Adern, wenn er ſeinem Geiſte vergegenwärtigte, daß der Brief von keinen ſterblichen Händen überliefert wurde, und daß er das Geheimniß eines Gerichteten enthielt. Aber dieſer Ge⸗ richtete war ſein Vater, der nur in dieſem Schreiben noch Hoff⸗ nung hatte! Es war die einzige Hoffnung ſeines armen Vaters— deſſen Andenken er lieben gelernt hatt,— der ihn um Hülfe anflehte.
„Memme, die ich bin, daß ich ſo viele Stunden verliere!“ rief Philipp.„Jene Sonne dort ſcheint über dem Berge zu zögern, um mir beim Leſen zu leuchten.“
Für eine kurze Weile verſank er in Gedanken und nahm dann ſeinen ganzen Muth zuſammen. Ruhig erbrach er das Siegel, das


