Teil eines Werkes 
4. Bändchen (1809)
Entstehung
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Das Oberhaupt der Afghanen braucht viele na⸗ tuͤrliche Faͤhigkeiten und Macht, um ſie im Zaume zu halten. Sie zerſtreuen ſich gewoͤhnlich in kleine Haufen, die nach den Geſetzen einer rohen Feudalverfaſſung regiert werden. Die verſchiedenen Haͤuptlinge halten ſich in ihren befeſtigten Doͤrfern aufwo ſie uͤber ihre Unterthanen zwar uneingeſchraͤnkt, aber mit Maͤſſi⸗ gung herrſchen. Gegen Befehle der Regierung haben die Afghanen wenig Achtung; ſelten appelliren ſie an das allgemeine Oberhaupt des Staats, ausgenommen in Faͤllen, wo das gemeine Weſen bedroht wird; dann zieht man dasſelbe zu Rathe und gehorcht ihm. Einige Staͤmme fuͤhren ein nomadiſches Leben; die Hybers gegen Suͤden in einem felſigen Gebiet, deſſen kleine Thaͤler ihre Bewohner nur ſparſam naͤhren, wohnen

zum Theile in Felſenhoͤhlen und machen die Straſſen nach der Hauptſtadt Kabul unſicher.

Die Staͤdte und Flecken werden hauptſaͤchlich von Hindus und Mahomedanern aus dem Pendj⸗ ab be⸗ wohnt, die ſich auf Veranlaſſung der erſten hindoſta⸗ niſchen Beherrſcher in ihren weſtlichen Provinzen nie⸗

derlieſſen, um Handel und Kultur einzufuͤhren. Auch leben mehrere urſpruͤnglich tatariſche und perſiſche

Familien in verſchiedenen Theilen Afghaniſtans zer⸗ ſtreut; die letztern heiſſen Parſianu, die erſtern

Mogolen. Der groͤßte Theil der Pferde und Frucht⸗

haͤndler, die alle Jahre nach Hindoſtan reiſen, ſind von dieſer Klaſſe. Die Abkoͤmmlinge beyder Nationen ha⸗ ben die perſiſche Sprache angenommen, und es iſt merkwuͤrdig, daß die tatariſchen Eroberer von Hindo⸗