Teil eines Werkes 
6. Bändchen (1809)
Entstehung
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deshalb anklagen, aber man glaubt hier, Groͤſſe be⸗ ſtehe im Genuſſe der Ruhe. Um einen Befehl zu ſchreiben, ſetzt man eine beſondere Stunde feſt, auch die Expeditionen des Großweſſirs werden nicht ſchnel⸗ ler betrieben. Dieſe Laͤffigkeit iſt ein moraliſcher Fehler der Groſſen.

Den 7ten Dezember. Der Ambaſſadeur, be⸗

gleitet von den Geſandtſchafts⸗Sekretaͤren und den Herren Offizieren, begab ſich nach dem Pallaſt des Koͤnigs. Diefer iſt ein Schloß, umgeben mit Graͤ⸗ ben und Mauern von Erde. Das Innere desſelben iſt weitläufig. Nachdem der Ambaſſadeur und ſein Gefolge in einem zu dieſem Endzwecke zubereiteten Saal ausgeruht hatten, wurden ſie durch den Cere⸗ monienmeiſter zu dem Koͤnige gefuührt. Feth⸗Ali⸗ Schah iſt ungefaͤhr 46 Jahre alt. Auf ſeinem Haupte traͤgt er ſtets eine Aigrette von Diamanten, das Zeichen der koͤniglichen Wuͤrde. Er ſaß in ei⸗ ner Ecke des Saales auf einem reichgezierten Thro⸗ ne, ſeine Kleidung von Soldſtoff war mit Diaman⸗ ten und andern koſtbaren Steinen beſetzt. Goldene Gefaͤſſe, Gießkannen, reich mit Diamanten einge⸗ faßt, die ſchoͤnſten Tapeten und Leuchter zierten die⸗ ſen Saal, und was ihn beſonders angenehm macht⸗ viele Springbrunnen erheben ſich in marmornen Becken.

Zwey Kinder des Koͤnigs und die Miniſter wa⸗ ren bey dieſer Ceremonie gegenwaͤrtig. Der Ge⸗ ſandte uͤberreichte ſein Beglaubigungsſchreiben und der König beehrte ihn mit dem Titel Chan; fein