als ſtünde er in ſeiner reinen Selbſtloſigkeit hoch über ihr, deren Bruſt nur noch eine Leidenſchaft, die Liebe zu Karl erfüllte, und als müſſe ſie niederknieen und demüthig die Hand des Fürſten küſſen. Er aber hob die ſich vor ihm Niedexbeugende empor und drückte flüchtig einen Kuß auf ihre reine Stirn.
„Und den Taufſchein, Majeſtät— geben Sie mir den Taufſchein“, bat Sophie dringend.
„Nehmen Sie das Papier“, ſagte der König, ihr den vergilbten Schein hinreichend,„aber ſeien Sie nicht voreilig. Vernichten Sie das Band nicht, das Sie an den König knüpft, bewahren Sie das Document gut
auf, und wenn Sie je Ihr Recht geltend machen wollen,
ſo gebe ich Ihnen mein Wort, mein Königswort, daß ich es jederzeit anerkennen werde.“ 1
Sophie nahm ſchweigend das Papier in Empfang. Der König entfernte ſich raſch.
Sinnend ſtand Sophie allein am kleinen Waſſer⸗ fall, der im hellen Mondlicht ſchimmerte; wie flüſſiges Silber, in dem unzählige Diamanten auf und nieder tanzten, ſprudelte das Waſſer durch das künſtliche Bett dem Fluſſe jenſeits des Gartens zu.
Langſam zerriß Sophie den Taufſchein des Vaters und warf die kleinen Stücke Papier hinein in die murmelnde Flut, welche hier und da lauter auf⸗


