Teil eines Werkes 
2. Band (1872)
Entstehung
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über den See gefahren war, die halbe Viertelſtunde bis zum Waſſerfall am Ende der Schlucht zurückzu⸗ legen.

Auch Marie beſtand darauf, obwohl ſie ſichtlich leidend war. Ihr bleiches Geſicht, in welchem alle Adern durch die feine Haut ſchimmerten, erſchien bläſ⸗ ſer als ſonſt, die Lippe farblos; das hellblaue Auge, das unter tiefſchwarzen Brauen und Wimpern hervor⸗ ſah, zeigte jenen flehenden, ſuchenden Ausdruck, den man häufig bei Herz⸗ und Nervenkranken findet.

Sie hatte ihren Hut abgenommen lund das glän⸗ zende blauſchwarze Haar fiel in natürlichen Locken auf den etwas nach vorn gebeugten Nacken.

Heinrich's unterſetzte Geſtalt ragte nur wenig über die der ſchlanken Marie empor.

Er ein Bild gedrungener, trotziger Kraft, das Mädchen von jener rührenden Schönheit und Hülfloſig⸗ keit, welche Bewunderung und Mitleid zu gleicher Zeit erweckt.

Der Waſſerfall verdiente ſeine Berühmtheit; aus einem engen Felſenthor herausſchießend, ſprang der Bach in weitem Bogen die beträchtliche Höhe herab und zerſchellte an mächtigen Steinblöcken; der rauſchende Giſcht brauſte wildſchäumend durch das zerklüftete Bett, mit Staubregen die erhitzten Geſichter der Ge⸗