Teil eines Werkes 
1. Band (1872)
Entstehung
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ſein. Bei der Geburt ſind die Menſchen ſich alle gleich, alle gehören in eine Linie. Nieder mit den Barrièren! Das Wettrennen des Lebens geht los! Wer zuerſt das Ziel erreicht, den lohne der höchſte Preis, ein ewiger Ruhm! Aber ſeine Kinder ſollen, wenn einſt für ſie das Rennen beginnt, keinen Vorſprung haben; Alles in eine Linie. Nur die Leiſtung werde belohnt, ſchloß Heinrich ſeine Rede,nur die Kraft entſcheide, nicht die Gunſt. Wehe, wer dem Nächſten ein Bein ſtellt, eine Grube gräbt; wehe, wer unehrliche Mittel gebraucht! Ein Recht für alle nieder mit den Barrièren!

Heinrich hatte ſich in Eifer geſprochen.

Einem Schauſpieler gleich, der ſeinen Part mit Aufbietung aller Mittel zur Geltung zu bringen ſucht und in der Ekſtaſe des Augenblicks über ſich ſelbſt hinaus⸗ geht und dadurch alle Zuhörer mit hinreißt, ſtand er einen Moment wie in ſelbſtvergeſſener Begeiſterung regungslos da.

Der Graf war wie vernichtet; der glatte Weltmann fand keine Erwiderung.

Tante Kathrin erbebte; welch eine Gewalt übte doch dieſer Heinrich auf alle Welt aus! Sie hatte ihn haſſen wollen, glühend haſſen, und doch vermochte ſie es nicht. Dieſer Trotz, dieſe heiße Glut, wenn das Eis der Zurückhaltung einmal durchbrochen war, dieſer