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ben lähmende Majoratsgeſetz. Muß nicht der durch ſeine Geburt zur Armuth verurtheilte jüngere Sohn ſeiner Wiege fluchen? Muß er nicht verwünſchen, einem Geſchlechte anzugehören, das alle ſeine Kinder darben läßt, damit der Name eines Einzigen, des bevorzugten Majoratsherrn, um ſo heller glänze? Jedes Weſen trägt in ſich ſelbſt, urſprünglich in tiefſter Bruſt den ihm allein gültigen, berechtigten Maßſtab des Glücks, und jede Beſchränkung dieſer natürlichen Selbſtſucht, welche völlig gerechtfertigt iſt, ſolange die Rechte Anderer nicht dadurch verkürzt werden, jede Hinderung der Entwicklung des eigenen Ichs iſt ein Verbrechen, ein Eingriff in die uralt ewigen Rechte des Menſchen. So verſchieden auch der Menſch das Leben beurtheilen mag, der Schwerpunkt des Glücks liegt für jeden darin, daß er zufrieden iſt. Zufrieden aber heißt neid⸗ los ſein, und nur wer— im Durchſchnitt betrachtet— rechtlich allen Andern gleich iſt, nur der kann zufrie⸗ den ſein. Das Glück, ſoweit es der Staat dem Men⸗ ſchen ſchuldet, beſteht ſohin in der Gleichheit aller, nicht blos vor irgend einem Geſetz, ſondern in dem, was moraliſch und philoſophiſch Recht iſt. Wie beim Wettrennen alle Pferde in einer Linie ſtehen müſſen, ehe der Lauf beginnt, keine Raſſe einen Vorſprung näher dem Ziele erhält, ſo ſollte es auch in der Arena des Lebens
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