181
Sie, mein junger Freund“, fuhr der Miniſter, ſich zu Heinrich wendend, fort,„ſchienen mir vorhin auch etwas gegen die Majorate auf der Zunge gehabt zu haben— bitte uns Ihr gewiß einſichtsvolles Urtheil nicht vorzuenthalten.“
Heinrich, von dieſem directen Angriff betroffen, zögerte, aber Tante Kathrin kam ihm zu Hülfe.
„Herr Wermuth, jetzt zeigen Sie einmal dem Mi⸗ niſter, der ſelbſt während der Sieſta den Tyrannen nicht vergißt, den Dolch, den Sie im Gewande tragen.“
„Jawohl, reden Sie“, lachte der Baron beluſtigt“ „das heißt, wenn Graf Ferdinand—“
Dieſer war nun wohl genöthigt, die Sache ſcherz⸗ haft zu nehmen.
„Alſo“, lächelte er,„freier Vortrag gegen die Tyrannei des Miniſteriums Uttritz, ſo lautete ja die Ankündigung bei der letzten Volksverſammlung, die wir jedoch vor der Eröffnung ſchließen ließen.“
„Nehmen Sie ſich in Acht, Herr Graf“, ſprach jetzt die Greiſin, die ein eigenthümliches Intereſſe zu haben ſchien, Heinrich's Rednertalent gegen den Mi⸗ niſter ins Feld zu führen,„Herr Wermuth iſt ſattelfeſt; er ſitzt zwar auf hohem Pferde, aber er fällt nicht herab.“
„Er dringt ſeine Meinung nicht auf“, ſchaltete


