Teil eines Werkes 
1. Band (1872)
Entstehung
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104 jene Augenblicke der höchſten⸗Wonne, der reinſten Be⸗ friedigung kennen, wo er im Anſchauen der wunder⸗ baren Schöpfung ſich ſelbſt vergißt und ganz Auge iſt, in welchem die Welt ſich ſpiegelt, die ohne dieſes Auge todt und farblos wäre.

Dieſe Götterluſt des reinen Anſchauens kennet nur Wenige wer ſo die Welt geſehen, der iſt ein Dichter oder Künſtler; die Andern ſehen mehr oder weniger nur ſich ſelbſt in der Natur oder können doch ihr kleines Ich nie los werden. Ihnen ſind die Berge ehrfurchterweckende Steinhaufen, ihnen beſteht der Wald aus Bäumen, der See aus Waſſer, und im Theater haben ſie Alles ſchon viel ſchöner geſehen. Sie wer⸗ den vielleicht mit der Natur bekannt, denn ſie iſt eine freundliche Dame, die offenes Haus hält, aber ſie werden nie vertraut mit ihr, die ewig junge Mutter zieht ſie nie liebend an das übervolle Herz.

Marie beſaß dieſes echte Verſtändniß der Natur nicht. Immer kränklich, neigte ihr Temperament nicht zur Heiterkeit; ſie vermochte ſich nicht für lebloſe Dinge zu begeiſtern, wie die körperlich ſich einer aus⸗ gezeichneten Geſundheit und Friſche erfreuenden Cou⸗ ſinen. Heinrich's Einfluß lenkte Mariens Sinnesart nicht dem Einfachern zu, und ſo kamen ihr die ſchö⸗ nen Couſinen gerade in ihrer Natürlichkeit anfangs