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nen und ihr Haar zu zerraufen, wobei ſie al⸗ len Troſt von ſich wies. Die Nachbaren ka⸗ men zu ihrem Beiſtande her, ſie redeten ihr zu, beſchwichtigten ſie, milderten ihre heftigen Aufwallungen, beſaͤnftigten und beruhigten ſie. Alle ſagten es ſey ein herber Verluſt, indeß waͤre ein Rechtglaͤubiger zum Paradieſe einge⸗ gangen; auch waren Alle der Meinung, daß keiner Ehefrau Betragen muſterhafter ſeyn koͤn⸗ ne, und daß keine Frau ihren Mann jemals zaͤrtlicher geliebt habe. Ich ſagte nichts, muß aber geſtehen, daß ich wegen ihres vorhergegan⸗ genen Geſpraͤches mit mir und wegen der Menge Pillau, den ſie an dieſem Abende bei ihrer Mahlzeit verſchlang, die Wirklichkeit recht ſehr bezweifelte.
Lange blieb ich nicht in der Heimath, denn wiewohl meine Pflicht erheiſchte meiner Mutter den Tod des Vaters anzuzeigen, war es doch ebenfalls meine Pflicht den Schein anzunehmen, als kehre ich zu meinem Corps zuruͤck. Dies nimmermehr zu thun, hatte ich beſchloßen. Ich bedachte, daß ein ruhiges, gemaͤchliches Leben


