Teil eines Werkes 
3. Theil (1838) Der alte Commodore : in drei Theilen / von Capt. Marryat, Verfasser des: "Peter Simpel," "Ardent Troughton," "der fliegende Holländer" [et]c. ; aus dem Englischen von Dr. G. N. Bärmann
Entstehung
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176 Der alte Commodore.

dere dadurch zu beſſern, daß wir das Gute und nicht das Böſe in uns thätig werden laſſen; um zu leh⸗ ren alles Böſe in unſerer Natur durch Freundlich⸗ kei ohlwollen und ſtetes Vergeben zu entkräften und zu vertilgen, und ihm nicht einmal Raum zu geben ſich zu zeigen, viel weniger zu wuchern. Welche glorreiche Fähigkeiten zur Beſſerung ſind ſelbſt in dem Schlechteſten vorhanden! Wie ſehr ſind wir in dieſer Hinſicht vor den Engeln bevorzugt! Dieſe ſind in ihrer Natur vollkommen ihrxe Grenzen ſind gezogen; was kann aber aus uͤns Würmern hienieden einſt dort droben werden! 4

Laſſen wir das Böſe in uns nimmermehr durch Furcht, durch falſche Schaam, durch körperliche Züchti⸗ gung thätig werden! Ein Menſch, der muthwillig Furcht in einem Andern erregt, iſt ein noch elenderes Geſchöpf, als ſelbſt ein Feigling.

Bevor die Milde, die unvorhergeſehene Freundlich⸗ keit in die Seele des alten Commodore drang, gab er ein trübſeliges Bild verderbter Menſchheit ab! Freund⸗ lichkeit beſſerte ihn, und durch Freundlichkeit beſſerte er Andere. Jedoch ſchon in früher Jugend müſſen wir dem Grundſatze nachleben, nimmer durch Geiſtesmarter, noch durch Körperſchmerz zu ſtrafen.

Ich hatte den Gedanken gehegt, vor meinem Hin⸗ ſcheiden ein dickes moraliſches Buch über dieß milde Syſtem zu ſchreiben, allein mein ehrlicher Underdown hat mich beinahe überzeugt, daß ich dazu nicht das er⸗ forderliche Talent beſitze; ſo alſo verfaßte ich dieß ro⸗ manartige Werk, in welchem ich darzuthun wünſche, wie ſtrahlend ſchön es iſt danach zu ſtreben, wahrer Chriſt, nicht dem Bekenntniſſe, ſondern dem Thun nach u ſein, und ſo die göttliche Lehre zu predigen:»Thue

underen was Du willr, daß ſie Dir thun mögenl«

3 Ende des dritten Theiles.