16 Der alte Commodore.
Tochter. Dieſe aber blickte ihm ſtarr und ohne zu zucken in's Auge, und rief:»Schlag' mich! Thu's nur! Willſt Du mich eben ſo umbringen, wie Du Auguſt umgebracht haſt, Du gottloſer alter Mann, Du? Ich ſage Dir's in Dein fürchterlich altes Geſicht hin⸗ ein, daß Du am beſten thuſt, den erſten Streich, den Du mir giebſt, zum Todesſtreich zu machen; denn fällt jemals Deine Hand im Zorn auf mich, und mir bleibt dann noch Kraft genug übrig, ſo ſchlepp' ich mich zum nächſten Teiche und ſtürze mich hinein— hörſt Du's? hinein ſtürz' ich mich— hinein. Wen in dieſer weiten Welt wirſt Du dann haben, der Dich liebt, Dich jäh⸗ zornigen alten Mann, wenn Auguſt erkrunken iſt und Rebekka ebenfalls ertrank?«
»Das iſt allzu fürchterlich!« ſtöhnte der leidende Vater, als er, gleichſam zuſammenbrechend, in ſeinen Seſſel ſank.»Geh, Rebekka,“« fügte er dann in dem mildeſten Tone von der Welt hinzu,„geh zu Deiner Tante; denn ſieh, ſie iſt in Ohnmacht gefallen.“«
Wie durch Zauberſchlag ſchien ſie, die verzogene und ungehorſame Tochter, in eine liebreiche und gehorſame Nichte verwandelt worden zu ſein— augenblicklich hatte ſie ihre Arme um den Nacken Mathildens ge⸗ ſchlungen und der Stirn derſelben zwei warme, leiden⸗ ſchaftliche Küſſe aufgedrückt. Allein obſchon Rebekka viel Liebe zeigte, ließ ſie doch wenig Unruhe blicken; denn ihre Tante ſank oft in Ohnmacht, und beſaß ei⸗ nen ganz eigenen Takt, zu gehöriger Zeit wieder aus derſelben zu erwachen. Miß Mathilde hatte ſich bald inſofern wieder erholt, daß ſie im Stande war, den Käfig wieder zurecht zu ſtellen und den Vogel wieder zu beſänftigen, wie erzürnt dieſer auch ſein mochte.
Waͤhrend aber dieß Alles mit den Damen vorging,


