Der alte Commodore. 11
der Geſchicksbeſtimmung thront;— oder, ſollten die alten klaſſiſchen Gebilde ihm nicht zuerſt vor die Seele treten wollen, ſo wird er ſich mindeſtens einbilden, er müſſe irgend ein hexenartiges altes Weib erblicken, das, in der einen Hand das Familiengeheimniß, in der an⸗ dern einen Beſenſtiel, Alles um ſich her nach Gefallen anordnet; ſo eine zweite Meg Merrilies, ohne deren Anrecht an natürliche Würde oder an übernatürliche Begeiſterung. Jedoch die Tyrannin von Treſtletree⸗ Hall war nichts von dem Allen; ſie war, lieber Leſer, nichts als ein kleines Mädchen von funfzehn bis ſech⸗ zehn Jahren,»alleiniges Hoffen und alleinige Erbin des Stammes und Vermögens«— worunter natür⸗ lich Stamm und Vermögen des Sir Octavius Bacuiſ⸗ ſart zu verſtehen ſind.
Mit der Geſtalt, wie Poeten ſie einer Sylphe ver⸗ leihen; mit einem Geſichte, das halb einer Hebe, halb einem Seraph angehört; mit Augen, die bald vom Glanze des Nordlichts funkeln, bald in aller thauigen Reinheit tief im Herzen wohnenden Gefühls ſchwim⸗ men, führte das Mädchen keinen wohlklingenderen Na⸗ men, als den Namen Rebekka, der gewöhnlich zu Bekky abgekürzt ward; ja nicht ſelten nannte man ſie, unter gemeiner Alliteration, Bekky Bakky.
Schwer dürfte es halten, anzugeben, was Miß Re⸗ bekka Bacuiſſart von ſich ſelber dachte; allein Jeder, der ſie kannte, hielt ſte ohne Weiteres für eine ſchöne Plage, für ein glänzendes Aergerniß, für ein Etwas, das zu gleicher Zeit gefürchtet, bewundert und geliebt werden muß. Wegen ihrer Ausgelaſſenheit hatte man ſie aus dreien Koſtſchulen zurücknehmen müſſen; ſie hatte mehr als fünf Hauslehrerinnen geſchlagen, ge⸗ kratzt und gebiſſen, und zur Zeit, von welcher wir hier
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