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Guter Rath ist Geldes werth : eine Erzählung für die Jugend / von Friederike v. Marées
Entstehung
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dem Herrn ſo nahe im Gebet zu ſein. Hier haben meine wackeren Aeltern gelebt und gewaltet bis an ihr Lebensende; hier iſt der erſte Grund zu unſerm Glück gelegt worden. Hier haben wir die erſten Jahre unſerer Ehe durchlebt, hier ſind unſere Kinder geboren, hier waren wir glücklich, bis es dem Herrn gefallen hatte, uns hinauszuführen in ein be⸗ wegtes Leben. Hier haben wir immer neue Kräfte gefunden, wenn wir zagten und zweifelten. Wir ſind jedesmal demüthi⸗ ger und ſtärker hinausgetreten in die Welt. Wenn unſere Wünſche Gott gefallen, ſo wird in der Nähe dieſer Hütte dereinſt unſere letzte Ruheſtätte ſein.

Ich habe einige ſehr genußreiche Tage unter dieſen trefflichen Menſchen verlebt. Die Demanten in dieſem Kranze von Edelſteinen aber waren Bill und Bethy. Sie ſind ſich ihres Glückes bewußt; ſie ſchaffen und wirken mit Bewußtſein. Der Adel und die Reinheit ihres Weſens und ihrer Geſinnungen, die Demuth und Frömmigkeit ihres

Herzens, die Würde ihres Benehmens, übten einen wunder⸗

baren Zauber auf ihre Umgebungen aus, denen ſie von ihrem innern Reichthum mittheilten. Meine Anſichten von Irland waren andere geworden. Nicht Literatur, nicht Lectüre, nur das Leben und die Wahrheit haben als ächte Poeſie, auch in mir den Sinn für jene Poeſie erweckt, die mit ihrem göttlichen Hauche das irdiſche Daſein verſchönt und veredelt. Mein Aufenthalt in Irland, ſo ſchloß der liebenswürdige Erzähler,war für mich der lehrreichſte und von der nachhaltigſten Wirkung für meine Zukunft. Er gehört zu meinen liebſten Erinnerungen!

Möchte auch in Euch, meine lieben Leſer und Leſerinnen, dieſe einfache Erzählung eine freundliche Erinnerung zurück⸗ laſſen.

Leipzig, Druck von Gieſecke& Devrient.