Frau Marriſon war fromm, aber keineswegs weichlich. Sie war eine feſte, unverzagte und praktiſche Natur. In den ſorgenvollen Nächten überdachte ſie alle Fälle, die beſten und ſchlimmſten, die da kommen konnten. Sie machte Pläne, wie ſie an Bill und deſſen Familie ſich dankbar beweiſen wollte. Dieſe Dankbarkeit ſollte nicht durch ein Geſchenk ab⸗ gemacht werden; ſie ſollte ſich in liebevoller, verſtändiger Fürſorge für Eltern und Kinder äußern. Solche Gedan⸗ ken erheiterten ihr Gemüth. Mit der wiederkehrenden Ge⸗ ſundheit ihres Mannes nahmen ihre Pläne immer mehr Geſtalt an. Auch in der Phantaſie des Geneſenden tauchten ſolche Gedanken auf, und als das Bewußtſein zurückkehrte, als das Licht des Verſtandes die Zerrbilder, die das Fieber erzeugt, verſcheucht hatte, begann er über ſeine Vorſätze mit ſeiner Frau zu reden.
„Ueberlaß das mir,“ brach dieſe jede nähere Beſprech⸗ ung ab;„überlaß mir die Sorge dafür; Du weißt, eine Frau verſteht die Bedürfniſſe beſſer zu erkennen und zu be⸗ friedigen. Ihr Männer gebt mit vollen Händen, aber Euer Sinn, immer auf das Große gerichtet, überſieht gern das Nöthigſte, ihr ſeid nicht immer fein genug, das Richtige zu treffen. Laß Dir meine Antwort genügen, daß Alles in beſtem Gange, und daß es mir Bedürfniß iſt, die Pflicht der Dankbarkeit gegen die zu erfüllen, durch welche Gott unſer Leid in Freude verkehrt hat.“
„Meine gute Jane, ich empfinde es jeden Augenblick mehr. Wer ein gutes Weib gefunden, hat mehr denn köſtliche Perlen und Edelſteine. Die Löſung einer ſo ſüßen Schuld ſei Dir über⸗ laſſen, mögeſt Du das Glück der wackern Leute fördern.“


