Teil eines Werkes 
2. Theil
Entstehung
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Wo ſich im Seitenwinkel des Platzes die Straße oͤffnet, war dieſes Heer bereits in die kurze und enge alte Fiſcher⸗ gaſſe eingedrungen, und zog von dort aus, unter dem ſchraͤ⸗ gen Schwibbogen weg, auf den Budenmarkt. Waͤhrend man vor der Riſche vorbeiging, welche die Saͤulenhalle des da⸗ mals ſogenannten Doktorenkollegiums ziemlich in der Mitte ſcheidet, warfen wohl wenige nur der großen Bildſaͤule, die ſtattlich in derſelben emporſtieg, ihre Blicke nicht zu; mit ernſter, finſterer Grauenmiene ſtand Philipp der zweite da, erfuͤllte den Voruͤbergehenden auch als lebloſer Marmor mit dem Schauer der Ehrfurcht, und waͤhrend er den Arm ausſtreckte, ſchien er ſagen zu wollen: Ich bin hier, Lumpengeſindel!

Dieſe Niſche ſteht jetzt leer, ein ſeltſames Ereigniß iſt daran Schuld. Etwa hundert ſiebzig Jahre nach der Be⸗ gebenheit, welche wir erzaͤhlen, wurde dem Steinbilde ei⸗ nes Tages ein andrer Kopf aufgeſetzt; man nahm ihr das Scepter aus der Hand, und gab ihr ſtatt deſſen einen Dolch. Darauf nannte man ſie Marcus Brutus. So verwandelt ſtand ſie einige Jahre etwa; eines Morgens aber warfen ihr verſchiedene Leute, die wahrſcheinlich Mar⸗ cus Brutus Geſinnungen nicht theilten, oder wohl ſelbſt einen heimlichen Groll gegen ihn hegten, einen Strick um den Hals, riſſen ſie nieder, und trieben ihren Spott mit ihr; nachdem ſie ſie verſtuͤmmelt und in einen un⸗ foͤrmlichen Stumpf verwandelt, ſchleppten ſie ſie drauf mit vielfachem Jubelgeſchrei durch die Straßen, und war⸗ fen ſie endlich, von der Hetzjagd ermuͤdet, ich weiß nicht