Obgleich es noch kühl im Gemache war, ſo warf Friedrich doch ſeinen Mantel ab, ſprang vom Seſſel empor, ſtieß das Fenſter auf und athmete heiß und heftig die kalte, eiſige Morgenluft ein. Der Rabe that einen Sprung nach der Lehne des Seſſels und flog durch das offene Fenſter in die blaue, ſonnige Luft hinaus.
„Ha!“— rief Friedrich—„wien beneide ich dich, Kunz — ol könnte ich doch dorthin fliegen, wo jene Thürme ſich im Nebel erheben; ich wollte mir Hülfe holen und“—
„Und von der Gewalt vernichtet werden“— fiel Rupert ein, indem er das Fenſter wieder ſchloß, den jungen Mann mit bittender Miene an den Seſſel zurückführte und fortfuhr:—„Ihr werdet dort Hülfe finden, aber erſt wartet die rechte Zeit ab, wo die Bürger ſich gekräftigt haben.“—
„O mein unglückliches Land, armes Braunſchweig!“ — klagte Friedrich, die Arme gegen das Fenſter aus⸗ ſtreckend;—„unter den Anführer einer Raubgenoſſenſchaft biſt Du gerathen, und Dein rechtmäßiger Herr muß es anſehen, daß man Dich verwüſtet; des Magnus' Sohn muß wie ein gemeiner, dummer Bube, den Räubern ſeines Erbes dienen und ihren Spott erdulden!— Sind denn der Biſchof von Hildesheim und der Albrecht von Lüneburg, die mir mein Erbe zugetheilt haben, ſo ſchwach und furcht⸗ ſam, daß ſie mir nicht helfen können? Hat meine Mutter keine Liebe mehr für den Erſtgeborenen, daß ſie ihn opfert, oder lauert der Lüneburger auf meinen Tod, um mit dem Otto mein Erbe zu theilen?“— „Beruhigt Euch, Herzog;— gegen die Gewalt kann


