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„Ihr redet Euch in Zorn gegen die Göttinger, um einen Gegenſtand für Eure üble Laune und Rachluſt zu finden“— verſetzte Breido, als der Herzog ſchon bei ſeinen früheren Worten aufgeſprungen war, ſich, mit umherſchwei⸗
fenden Blicken in das weite Land jenſeit der Weſer, vor
das offene Fenſter geſtellt hatte und dann heftigen Schrittes das Gemach durchmaß.—„Haltet jetzt Ruhe im eigenen Lande, Herzog; ſuchet auswärts Beſchäftigung;— der Schaumburger will Eurem Vetter in Brauuſchweig das weg⸗ genommene Hochzeitsgeräth ſeiner Mechtildis vergelten.— Ihr ſeid ja ſelber mit dem Magnus übel beſtellt— nehmt irgend Partei, wenn Ihr der Zerſtreuung bedürft, oder ver⸗ anſtaltet ein neues großes Turnier, macht Euch die Ritter⸗ ſchaft weit und breit dankbar und gefällig und was Ihr am Heſſenlande einbüßet, gewinnt Ihr an Macht durch die Freundſchaft der Adeligen.“—
Otto war wieder an das Fenſter getreten, da eben ein zweites Hornſignal von der Warthe erſcholl und anzeigte, daß die Bewaffneten, welche man vorhin unten im Thale bemerkt habe, an der Zugbrücke des Schloſſes angekom⸗ men ſeien.
„Das iſt der Adelebſen nicht!“— rief Otto;—„ſind das nicht heſſiſche Wappen?“—
Breido von Ranzau ſtreckte den Kopf gegen das Fenſter und ſuchte mit ſcharfem Blicke die ziemlich große Anzahl gerüſteter Reiter an den Wappen zu erkennen.—„Ci, das goldene Andreaskreuz in grünem Felde, in jedem Winkel drei gemeine Kreuze— das iſt ja der Merenberg, der an der Lahn, eine Stunde von Weilburg zu Hauſe iſt und
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