—2—
Bramburg, Friedland, Sichelſtein und Brakenberg die Einfälle in das heſſiſche Land ſtattfanden. Seit vierzehn Tagen war aber der kriegeriſche Lärm verſtummt, die Reiſigen lagen ruhend und ſpähend auf den Burgen, die Göttinger waren vom Eichsfelde her, wo ſie dem Städtchen Dransfeld gegen den Landgrafen Hermann hatten Hülfe leiſten müſſen, zurück⸗ gezogen, der Herzog befand ſich ſeit einigen Tagen müßig auf der Burg zu Münden.
In dem hochgelegenen Gemache, von welchem herab Otto ſo oft das wachſame und racheſuchende Auge über die Gegend, die Ufer der Werra und Fulda hinauf, ge⸗ richtet und mit Adlerblicken das künftige Erbe als eine ſichere Beute behütet und beherrſcht hatte, höhniſch nieder⸗ lächelnd auf die Gewäſſer, welche von Caſſel herabfloſſen und ihn zurückzudrängen ſchienen— hier im hochgelegenen Burggemache, befand ſich der Herzog heute, ſeit längerer und öfterer Anweſenheit auf den Plätzen des Kampfes, aber in keiner erfreulichen Laune. Er ſaß in halbliegender Stellung in einem hochlehnigen Lederſtuhle an der Niſche des offenen Fenſters, er hatte das eine Bein auf einen zweiten Stuhl, die eine Hand auf das Knie, und auf die andere geballte Hand das Haupt geſtützt, deſſen Miene finſter, deſſen Blick lauernd und grimmig von unten auf in das Geſicht eines Ritters ſpähete, welcher auf dem Rande eines mit Kannen und Bechern beſetzten Tiſches lehnte, die Arme über der Bruſt verſchränkt und deſſen wildes, trotziges Auge nicht minder als das des Herzogs grollend und unzufrieden erſchien.
„Trinkt, Herr“— rief dieſer, als er des Herzogs Miene ſich noch mehr verfinſtern ſah—„da, nehmt den


