Erſtes Kapitel.
Am erſten Sonntage nach Lichtmeſſen, im Februar des Jahres 1370, war die Stadt Göttingen der Schauplatz eines ungewöhnlichen, glänzenden und geräuſchvollen Feſtes.— Der bis zur Verſchwendung gaſtfreie, fehdeluſtige, in den ritterlichen Uebungen der Stechbahn aufgewachſene, und nur Waffenſpiel und Kampf liebende Herzog von Göttingen, der Herr des Fürſtenthums Oberwald, Otto, mit dem Beinamen: der Quade oder Böſe— hatte auf den heutigen Tag die nahe und ferne Ritterſchaſt eingeladen, um ein großes feierliches Tournier auf dem Freudenberge in Göttingen abzuhalten, wie ein gleich großes Kampfſpiel. noch nie hier geſehen worden war. Die Göttinger kann⸗ ten die Leidenſchaft ihres Fürſten für dergleichen ritterliche Uebungen nicht nur aus ſeinen früheren Jugendjahren, in denen ſein Lieblingsort von jeher die Stechbahn gewe⸗ ſen, und ein Jeder als Freund und Kumpan ihm allezeit willkommen geweſen war, der ein Reiterlied ſingen oder das Schwert führen konnte, ſondern auch aus mancher⸗ lei ernſtlichen Fehden letzter Zeit, welche nur begonnen
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