Teil eines Werkes 
2. Theil (1860) Das Turnier zu Göttingen / Hermann von Maltitz
Entstehung
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Erſtes Kapitel. 2 Berthold Helmold hatte in wachſender Unruhe über eine Viertelſtunde in der Sakriſtei geſeſſen, ungewiß, was er bei Gertrude's längerem Ausbleiben beginnen könne, um ſich und der Geliebten nicht Gefahr zu bringen. Je rathloſer, deſto kühner werden bei einem muthigen Menſchen die Entſchlüſſe, und Helmold dachte ſchon daran, ſich der Herzogin ſelber als Gertrude's ehrlichen Liebhaber vorzu⸗ ſtellen. Der Trompetenmarſch des vom Freudenberge heim⸗ kehrenden Feſtzuges erſcholl bereits von Ferne her, es wurde unruhig in der Burg, es war ihm, als würde eine Thür hinter dem Hochaltare aufgeſchloſſen, als kämen Schritte in der Kapelle näher und näher. Zur Gegenwehr im Noth⸗ falle bereit, legte er die Hand an den Degen und ſtellte ſich der Thür gegenüber auf. Noch kannte er Gertrude's Schickſal nicht genügend, um danach in ſeiner gegenwärti⸗ gen Lage handeln zu können; der wichtigſte Theil war ihm noch ein Geheimniß, denn Gertrude war mit ihrer Erzäh⸗ lung nur bis zu dem Momente gekommen, wo der Herzog das flüchtige Mädchen einem alten Knappen zur ſicheren

Bergung und erquickenden Speiſung Perwieſtn hatte. Maltitz, Herzog. II.