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Historische Novellen und Erzählungen in Prosa und Versen / von Johann Luft
Entstehung
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Heil, Jüngling, dir! deß Auge Gottentzücken Aus ihrer Seele klarem Spiegel trinkt!. Du kannſt ſie nicht, die Himmelsblume, knicken, Die dir ein Strahl aus beſſern Zonen winkt.

Erſtarken wird dein Arm zu hohen Thaten An ihrem Blick, der Tugend Kraftgewinn. Leicht wirſt du großes Erdenguts entrathen, 4 Beglückt in ihr durch heitern Kindesſinn.

Zurück gekehret fühlſt du dich zur Wiege Der Menſchheit, ſelig ſo in Edens Flur, Erneut in dir der Gottheit hehre Züge, Ff Das Erbtheil deiner geiſtigen Natur.

Doch fleuch, wenn die befleckende Begierde Bei ihrem Anblick nur in dir ſich regt! Wie ſankſt du tief ſchon unter ihre Würde! Du, deſſen Schmach die Unſchuld nimmer trägt!

Dein Urtheil ſieh' in ihrer Wangen Röthe, Die, ſtolz, der Geilheit frechen Scherzen grollt! 5 Du fühlſt es, ach! nicht mehr und ſchiltſt ſie ſpröde! Für dich iſt Blei nur ihres Herzens Gold.

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