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Historische Novellen und Erzählungen in Prosa und Versen / von Johann Luft
Entstehung
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Es iſt die treue Gertrud; ſie naht dem Rabenſtein, Die liebevolle Gattin, zu lindern ſeine Pein. Der man, mit ihm zu ſterben, aus Grauſamkeit verſagt, Sie hatte, wie zum Kerker, auch hierher ſich gewagt.

„Wart! treuer, lieber, lebſt du noch?“ So flüſtert ſie: Und aus dem Buſen ringet ein Ja ſich ihm, voll Müh'. O theure, ſüße Tröſtung, die letzte vor dem Grab,

Heil jedem treuen Herzen, dem Gott dich da noch gab!

Doch dreimal Heil dem Dulder, dem auf dem finſtern Pfad Die Liebe mit Erquickung vom Gott der Liebe naht! Hier klomm ſie zum Geliebten den Marterpfahl hinan Und küßte den Erleg'nen auf ſeiner Dornenbahn.

Des Durſtes Brand zu kühlen reicht Gertrud ſelbſt im Schuh Den Labetrunk dem Gatten; ſchirmt ihn zu ſanfter Ruh' In ihres Mantels Falten vor kalter Nachtluft Grau'n, Und heißt, auch Troſt zu finden, ihn auf zum Himmel ſchau'n.

Hin auf den größten Beter, der ſeinen Mördern eh' Vergebung noch erflehte vom Vater in der Höh', Weißt ſie den Jammervollen mit ſüß beredtem Mund, Und auf die heil'gen Märt'rer. Es iſt ihr Vieles kund. 4