Teil eines Werkes 
2. Band (1824)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

ſprach ſie zu der bekuͤmmerten Freundin,„der Fuͤrſt nicht ohnehin ſchon zur Begnadigung ge⸗ neigt: wird, fuͤrchte ich, meine Fuͤrſprache nur wenig helfen. Sey aber verſichert, daß ich thun werde, was in meinen Kraͤften ſteht, um deines Leodino's Leben zu retten.“

Schon hatte ſie den Mantel um ſich geſchlagem, ſchrn ihr reizendes Antlitz mit dem Schleier be⸗ deckt, da ward ihr ploͤtzlich gemeldet, daß Caſtruc⸗ cio ſo eben ſelbſt auf Valperga angelangt ſey. Sein unerwartetes Erſcheinen machte die Graͤfin erbleichen, ihre Glieder bebten— ihre Augen fuͤllten ſich mit Thraͤnen.— Sie gab ihrer Freundin ein Zeichen, ſich zu entfernen. Caſtruc⸗ cio trat herein. Er war jetzt nicht mehr ihr Ge⸗ liebter, kaum noch ihr Freund; weder in ſeinen, noch in ihren Augen glaͤnzte Freude nach der mondenlangen Trennung. Sie hatte ihn geliebt, und noch oft dachte ſie mit Zaͤrtlichkeit an das, was er ihr einſt geweſen. Wie verſchieden aber war das Bild ihres Jugendgeſpielen von der ern⸗ ſten Geſtalt des Kriegesfuͤrſten, der jetzt vor ihr