Teil eines Werkes 
1. Band (1824)
Entstehung
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Nachricht ein, daß Caſtruccio in einigen Tagen in Florenz anlangen werde. Euthanaſia bebte zuſammen, als ihr dieſe Kunde ward. Noch vor kurzem hatte ſie ſeine Ruͤckkehr ſehnſuchtsvoll ge⸗ wuͤnſcht, denn noch immer hoffte ſie, er koͤnne den, bei ihr rege gewordenen, Argwohn entkraͤften; jetzt aber, nach ſeinem letzten Schreiben an Ga⸗ leazzo, ſchien es ihr, als ob ſein Erſcheinen ihr den Tod bringen muͤſſe. Die Gefuͤhle, mit de⸗ nen ſie von Florenz nach Valperga zuruͤckkehrte, vermoͤgen wir nicht, zu beſchreiben.

Es war jetzt Herbſt geworden, und das Schwer⸗ muͤthige der Jahreszeit vermehrte Euthanaſia's traurige Gemuͤthsſtimmung. Hinausſtarrend in die entſchlummernde Natur, ſtand ſie eines Abends in ihrem Erkerfenſter; da vernahm ſie ploͤtzlich Hufſchlaͤge den Berg heran; die Zug⸗ bruͤcke ſank, ein Reiter ſprengte heruͤber, ſchwang ſich vom Roß, ſlog die Stiege hinauf und Ca⸗ ſtruccio, der langerſehnte, jetzt gefuͤrchtete Ca⸗

ſtruecio, ſtand vor ihr. So wie Euthanaſia's Augen den Geliebten erblickten, waren alle ihre