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vermehrt wurde. Ihren übrigen Landsleu⸗ ten, welche ſich durch Handelsſpeculationen zu bereichern ſuchten, völlig unähnlich, ge⸗ ſielen ſie ſich in ihrer urſprünglichen Armuth, und hielten auf dieſe Weiſe die durch den wachſenden Reichthum ſo oft herbeigeführten Sorgen und Laſter von ſich fern.
In dieſer Einfamkeit nun war es, wo Zoe, ſo ward die Tochter des Verbannten genannt, die erſten Jahre ihrer Kindheit ver⸗ lebte. Die ihre Ankunft im Thale begleiten⸗ den ſeltſamen Umſtände wurden nach kurzer Zeit vergeſſen, und Zoe zeichnete ſich bald nur vor den übrigen Mädchen ihres Alters durch ihre außerordentliche Schönheit und durch ihre geiſtigen Anlagen aus, welche mit ihrem niedrigen Stande keineswegs im Ein⸗ klange waren. Es war nicht Stolz, denn eines ſolchen war ihr ſanfter Sinn unfähig, ſondern ein anderes Gefühl, das ihre ein⸗ fachen Nachbaren nie begreifen konnten, wel⸗ ches jeder Vertraulichkeit zwiſchen ihr und


