Teil eines Werkes 
2. Theil (1825)
Entstehung
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bald ein bluͤhendes Haͤuflein ſie umgab, und wenn auch in Roſaliens Herzen noch einmal der Schmerz uͤber die Irr⸗ thuͤmer ihrer Se ahenegeit aufdaͤmmern wollte, ſchloß ſie ihr Kind in die Arme, das ihr fuͤr das Verlorne ein reicher Erſatz ward, zumal da ſie jetzt in der Naͤhe ihrer Lieben, ihrem Muttergefuͤhle keinen Zwang aufzulegen brauchte. 1

Sophie aͤrntete die Fruͤchte ihres rei⸗ nen Strebens in dem Gluͤck und der Liebe ihrer Kinder; ſie war des Hoͤchſten wuͤrdig was das Erdenleben zu geben vermag, und es ward ihr zu Theil. Die Keime des Guten, die ſie ſo ſorgſam ausgeſtreut hatte, uͤberdauerten ſie, denn ſie gediehen in ihren Kindern und Enkeln fort. 1

Die Baronin ſtarb nach einigen Jah⸗ ren an einer unheilbaren Krankheit die ſie ſich bei einem Hoffeſte zugezogen, denn man hatte ihr endlich den Zutritt wie⸗ der geſtattet. Um ihr Bett ſtanden nur beſoldete Diener und eine fremde Hand druͤckte ihr das brechende Auge zu. Ro⸗ falie und Sophie weinten ihr eine Thraͤ⸗ ne des herzinnigſten Mitleids nach, die ihr Schickſal, wenn gleich eigene Thorheit es ihr bereitete, dennoch verdiente.Ihr gan⸗ zes Leben, ſprach Sophie,war ein großer Irrthum, moͤge ſie gelaͤutert aus dem Grabe hervorgehn!