— 44—
und Hoffen des Menſchen, im Himmel und auf Erden, eine ungeheure Lüge.“
„Und ſo laſſen Sie denn mein ganzes Leben, mein ganzes Hoffen, alles was ich denke und empfinde, vor Ihnen in Worten mich frei ent⸗ falten, Worte habe ich nur dafür, ſeit ich Sie kenne, mein ganzes Daſehn war früher nur ein traumähnliches Schwanken in dumpfer Ahnung. Im Schatten der Kirche wuchs ich auf, unbezeichnet und unbeachtet floſſen meine Jugendtage an mir vorüber, ſtrenge Lehrer und Heiligenbilder ſtanden gleich Nebelgeſtalten mir zur Seite, ich erkannte weder ſie, noch mich ſelbſt, noch meine unbemerkt ſich entwickelnden Kräfte. Endlich erblickte ich Sie, Eugenia, und der helle volle Strahl des Bewußtſeyns brach durch die ſtarre Umhüllung, die Nebel wichen, meine innre Welt war erſchaffen, meine Gedan⸗ ken, meine Wünſche gewannen eine andere Rich⸗ tung, und ich fühlte Muth und Kraft in meiner lange verödeten Bruſt. Beim Sonnenlicht der


