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Gerade in demſelben Augenblick ſchrie unter den Fen⸗ ſtern ſeiner Wohnung das Volk begeiſtert:
„Es lebe Robespierre! Es lebe die Republik!“
Robespierre weidete ſich einige Minuten an der Er⸗ regung in ſeiner Bruſt, dann ſchien er ſie gewaltſam er⸗ ſticken zu wollen und ſagte hart und kurz:
„Es iſt zu ſpät oder zu früh, brechen wir ab.“
„Zu ſpät? Ja, zu ſpät, verſetzte St. Juſt.„Heut früh konnteſt Du Alles thun, das Volk hätte Dich auf den Händen getragen, der Convent war von der Begeiſte⸗ rung des Volkes für Dich umzingelt, er war ohnmächtig.“
„Man hätte mich morgen einen Uſurpator genannt.“
„Und wenn?“
„Man hätte mich einen Tyrannen genannt.“
„Und wenn? Robespierre, Du haſt keinen Muth, die Stimme des Neides zu vernehmen?
„Es iſt noch zu früh, ſage ich Dir. Das Volk muß ſich erſt an den Gedanken gewöhnen, daß Einer in der Republik herrſche.“
„Und wann meinſt Du, daß dieß ſein wird?“
„Wer weiß?“ entgegnete Robespierre.„Vielleicht in einem Monct, vielleicht in zwei.“
„Und Deine Feinde?“
„Ich verachte ſie.“
„Sie werden in einem Monat Zeit haben, ſich ge⸗ gen Dich zu verſchwören!“
1861. 16. Apoll von Byzanz. III. 12


