31
Du allein biſt würdig, die Soldaten von Chateauvieux zu bewillkommen.“
Chenier bemeiſterte einen düſteren Zug im Anfluge und erwiderte ſchnell:„Was ſoll das heißen? Meinſt Du, ich wär' Gelegenheitsdichter?“
„Chenier!“ rief hier Couthon und es lag etwas Dro⸗ hendes in ſeinem Tone verhüllt.„Cheénier, Du haſt viel gut zu machen, Dein„Cajus Gracchus roch verteufelt nach der Poli itik der Feuillans.“
„Ja, ja,“ ſchrie Marat mit ſeiner heiſeren Stimme, „der Vers war albern: Geſetze und kein Blut!— Denkſt Du, daß dieſe ariſtokratiſche Race ohne Blut un⸗ tergeht? Die Freihen braucht ihr Blut, ſag' ich Dir, und Capet mit ſeiner Meſſaline müßte zuerſt unters Meſſer.“
„Bürger,“ verſetzte Chénier gefaßt;—„Ihr ſeid ſchlechte Freunde. Tanzt man nicht gerade nach Eurer Pfeife, ſchmäht Ihr Einen gleich als Verräther und Ari⸗ ſtokraten. Wer kann von mir ſagen, daß ich der Freiheit nicht genützt? Geht nun zu andern Dichtern und laßt Euch Verſe machen; hier“— und er wies auf einen hübſchen blondlockigen jungen Mann, der ſich bisher ausſchließlich mit einer Tänzerin unterhalten hatte—„hier habt Ihr den„Procurator der Laterne,“ dort, am Spieltiſch, ſeh' ich auch Collot d'Herbvyis. Sind ſie nicht ebenſo gut, wie ich?“
Jener junge Mann, es war Camille Desmoulins,


