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ſchon manchen ſchönen Bau geſehen hat. Der Capitain hat der Kirche mit der ziemlich großen Schiffsglocke ein Geſchenk gemacht. Man ſieht dieſe in der Durchſicht des niedrigen Thurmes hängen. Alle Kräfte hatte man angeſtrengt, um den Bau zu dem Oſterfeſte zu vollenden. Es war gelungen. An dem erſten Oſtertage wachte ich ſehr früh auf. Ich
kleidete mich an und begab mich hinaus. Frieden lag aus⸗ gebreitet über Meer und Land. Die friſche Luft ſchwellte mir die Bruſt, indeß mein Auge ſich labte an dem Farben⸗ ſpiele des Morgenhimmels. Ein goldner Schimmer fiel auf unſer Kirchlein. Ich gedachte eines Gedichtes einer from⸗ men deutſchen Sängerin.*)
„Ein friſcher Morgen! Doch ein ſchöner Tag
Wird's werden;— Alles iſt noch ſtill im Dorf,
Die Thüren ſind noch alle zu, kein Wunder!
'S iſt Sonntag heut, da ruhen Alle aus;
Und eine ſaure Woche war's, das Frühjahr Kommt zeitig, und es gilt die Felder und
Die Gärten zu beſtellen und zu beſäen.
Ruht nur getroſt! der Herr beſchützt die Saat!
Heut iſt das Feſt des auferſtandnen Heilands,
Das Oſterfeſt, das liebſte mir von allen,
Ich freu' mich ſchon die Glocken heut zu ziehen,
Zu rufen euch mit hellem Schall entgegen:
Wacht auf! wacht auf! Der Herr iſt auferſtanden!“
Ich ſtieg den Hügel hinan, trat in unſere Kirche und hielt mein ſtilles Morgengebet. Darnach kam mir der Ge⸗
*) Katharine Diez.


