113
zu reichen. Darnach öffnete er auch die übrigen Nüſſe und reichte ſie umher. Nachdem die Milch getrunken worden war, wurden die wohlſchmeckenden Kerne verzehrt.
Der Abend war indeß heran gekommen und wir wur⸗ den in ein Haus geführt, in welchem man uns Plätze zur Nachtruhe anwies. Ein Jeder empfing zwei Decken, eine, um darauf zu ruhen, die andere, um ſich einzuhüllen.
Am nächſten Tage hielt der Häuptling, uns zu Ehren, über ſeine Krieger eine Art von Parade ab. Einen beſon⸗ dern Kriegerſtand giebt es auf der Inſel nicht, es iſt vielmehr ein jeder Eingeborene männlichen Geſchlechts Krieger. Die Uebungen mit der Waffe werden ſchon von früher Jugend an vorgenommen, daher eine bedeutende Geſchicklichkeit er⸗ zielt wird. Es giebt Derer nicht wenige, die es zu ſolcher Fertigkeit im Schleudern gebracht haben, daß ſie ein Ziel von der Größe eines Apfels auf 150 Schritte ſelten verfeh⸗ len. Kommt es zum Kriege, ſo durchlaufen Boten, Nere genannt, die Inſel und rufen die Mannſchaſten zuſammen. Die Eingebornen zeichnen ſich durch kriegeriſche Geſinnung aus, und ſo kommt es ſelten vor, daß ein Einzelner dem Rufe des Häuptlings nicht Folge leiſtet. Geſchieht es den⸗ noch, ſo wird dem Feiglinge das rechte Ohr geſchlitzt und ihm damit ein unvertilgbarer Schandfleck angehängt.
Die in der Nähe wohnenden Krieger waren am Abende vorher ſchon aufgefordert worden, vor dem Häuptlinge zu er⸗ ſcheinen. Wir ſahen ſie jetzt. Doch war es nicht die Ab⸗ ſicht des Häuptlings, die Männer in ſteifer Haltung an uns vorüber marſchiren zu laſſen, ſie ſollten vielmehr ihre Ge⸗
wandtheit vor uns zeigen. 3 Der Schiffscapitain. 8


