227 ſagte die Kurfürſtin bewegt.„Von dieſer Stunde an betrachte ich Dich denn als meine Tochter, und auch jetzt ſollſt Du nicht ohne Zeichen von hinnen gehen, wie gut ich es mit Dir meine. Nimm hier zurück, was Du verloren haſt!“.
Zuleima vermochte nicht, einen leichten Aufſchrei der Freude zu unterdrücken, als ſie das goldene Me⸗ daillon mit der türkiſchen Inſchrift aus den Händen der Fürſtin empfing; ſie betrachtete es mit ſtrahlenden Augen und drückte es wiederholt an die Lippen.„Ihr
ſeid die Erwählte Allah's!“ ſagte ſie dann und wollte ſich wieder auf die Kniee werfen.„Alles, was gut i*ſt, ſoll mir von Euch kommen! Es war das Einzige, was ich beſaß, ein Geſchenk meiner Mutter, der Talis⸗ man, an den mein guter Geiſt gebunden iſt, und Ihr, hohe Herrin, Ihr ſeid es, die ihn mir zurückgibt! Aber wie war das möglich? Ich begreife nicht, wie konntet Ihr—“
„Was iſt hierbei Unbegreifliches?“ ſagte die Kur⸗ fürſtin, indem ſie Max Emanuel lächelnd anſah. „Mein durchlauchtigſter Gemahl iſt Herzog und Regent des Landes; er hat davon gehört, daß Dir dieſes koſtbare Kleinod geraubt wurde; eine ſolche Handlung, in ſeinem Reiche begangen, kann er nicht ungeahndet laſſen, darum ruhte er nicht, bis es ihm gelang, die


