Teil eines Werkes 
4. Band (1869)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

170

mich dieſes Blatt vergeſſen läßt und dieſes Bild in meiner Erinnerung auslöſcht? Wie wider Willen ſchob er das Tuch beiſeite, ergriff den Brief und las, halb⸗ laut murmelnd:

Mit tiefem Schmerze thue ich dieſen Schritt, denn es iſt ſchwer, einem Ideale zu entſagen, deſſen Ver⸗ wirklichung ſo nahe zu ſein ſchien, um ſo ſchwerer, wenn damit alle Hoffnung aufgegeben werden muß; denn Völker⸗ und Menſchenglück können nicht gedei⸗ hen unter einer Hand, die vom Treubruch beſudelt iſt.

In welchem Tone er mit mir ſpricht! rief Felix.

Darf er in dieſem Tone mit mir ſprechen? Bin ich nicht immerhin der Fürſt, dem er ſeine Stellung ver⸗ dankt, dem er ſich beugen muß, und wenn es auch wahr wäre, daß ich ihm Unrecht gethan? Er darf nicht! Ich dulde den Hochmuth nicht, der aus dieſen Worten ſpricht; ich muß ihn beugen, muß ihn vor mir ge⸗ demüthigt ſehen. O daß ich einen Führer fände, der mir den Weg dazu zeigte, und wäre es ein Dämon der Unterwelt, ich wollte ihn willkommen heißen!

Er hatte in der Aufregung nicht bemerkt, daß ſich die Thür längſt geöffnet und die Herzogin eingelaſſen hatte; ſie war im Dunkel des Gemachs an derſelben ſtehen geblieben und ſchien der Hand zu warten, welche