Teil eines Werkes 
4. Band (1869)
Entstehung
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Sohn, mein Herzenskind flüchtig und ohne eine Stelle, wo er ſein Haupt zur Ruhe hinlegen kann! Aber das ſoll mir nicht ſein“, fuhr ſie entſchloſſen fort,„das muß anders werden, und ich ſelber will es anders ma⸗ chen. Wenn Sie mir auch den Brief nicht zeigen, ſo weiß ich doch genug. Mein Sohn kann nichts began⸗ gen haben, was ein ſo großes Unrecht wäre, daß er deswegen flüchtig werden müßte, wie Kain der Bruder⸗ mörder. Da muß ein Irrthum im Spiele ſein oder ſchändliche Verleumdung. Der Herzog iſt hier, ich gehe zu ihm, ich will mit ihm reden. Er ſoll eine Mutter hören, die für ihren Sohn redet und einſteht für ihn. Ich weiß, daß er immer große Stücke auf ihn gehalten hat; der wird ihn nicht ſo ſchnell und ſo geradehin verurtheilen. Er wird gerecht ſein, und das will ich ihm ſagen, denn deswegen hat ihm unſer Herrgott die Krone gegeben und ihn zum Herzog gemacht.“

Soviel Alter und Aufregung es geſtatteten, war die Räthin unter dieſen Worten eilig in das Ne⸗ bengemach gegangen, welches ſonſt Führer'’s Studir⸗ zimmer geweſen und durch das man auf kürzerem Wege in eine Kammer gelangte, wo Kleider aufbewahrt zu werden pflegten. Riedl folgte ihr. In dem Arbeits⸗ zimmer über dem Schreibtiſche hing ein ſchlichtes Oel⸗ gemälde, das Führer's Vater und die Räthin in einem