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früher oder ſpäter zu Uebergriffen und Mißbräuchen führen muß, und daß dann der Mächtige, um ſich das Erröthen zu erſparen, den Treubruch nicht an ſich ſelbſt, ſondern an dem zu rächen pflegt, dem die Treue gebrochen wurde?“
„Nein, nein“, ſagte die Räthin ſich erhebend.„So elend ich bin, das kann ich Ihnen doch nicht zugeben. Meine Meinung über die Fürſten als von Gott ein⸗
geſetzte Obrigkeit ändert ſich nicht mehr ſo leicht. Ich⸗
klage nur über ſeinen Ehrgeiz, durch den er ſich ver⸗ locken ließ, die ſtille, beſcheidene Bahn als Lehrer zu ver⸗ laſſen. Wie glücklich wäre er auf dieſer geworden, wie viel Gutes hätte er wirken können! Für dieſe Geſchäfte aber, davon bin ich überzeugt, iſt mein Sohn nicht gemacht.“.
„Sie haben Recht“, ſagte Riedl,„aber auch das habe ich vorausgeſagt. Friedrich iſt für eine ſolche Stellung zu gut, zu ſanft. Wer regieren will, muß nicht blos die Hände, er muß auch das Herz von Eiſen haben. Friedrich iſt ein Schwärmer, allerdings im ſchönſten und edelſten Sinne des Wortes, aber doch ein Schwärmer. Er lebt Idealen und hat auch hier nur einem ſolchen gedient. Jetzt iſt der Schleier gefallen, und ſtatt der Göttin, die er dahinter geahnt, grinſt ihm


