Teil eines Werkes 
3. Band (1869)
Entstehung
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Mein Herr, Sie werden beleidigend!

O, nicht doch. Wer ſollte am Hofe eine ſolche Strenge ſuchen, an einem Hofe, wo es doch Beiſpiele gibt, daß Damen zur Nachtzeit in Männerkleidern ausgehen, um einen geliebten Freund an einem unbe⸗ kannten, um nicht zu ſagen verrufenen Orte, allenfalls in einer abgelegenen Winkelkneipe zu beſuchen!

Was wollen Sie damit andeuten? rief Primi⸗ tiva, der es nicht vollſtändig gelang, ihrer Ueberraſchung Meiſter zu werden.

Sie ſehen, es war nicht zu viel, wenn ich ſagte, daß ich Alles weiß. Wollen Sie erfahren, wo dieſe Zuſammenkunft war, wer dieſe Dame iſt? Was glau⸗ ben Sie wohl, welche Wirkung es hervorbringen würde, wenn ich dieſe pikante Geſchichte weiter erzählen

würde? Die Geſchichte von einer Hofdame, welche

allgemein als Beiſpiel von Sittſamkeit, als ein Mu⸗ ſter von Strenge gilt und ſich doch herabläßt, wie Diana ihren Endymion bei nächtlicher Weile zu be⸗ ſuchen? Doch alteriren Sie ſich nicht! Ich bin

kein Freund von Skandalgeſchichten, ich werde ſchwei⸗

gen. Jene Dame hat von mir nichts zu be⸗ fürchten, aber als Erkenntlichkeit verlange ich die Kleinigkeit dagegen, daß Ihrer Verbindung mit dem

Grafen von Scheoffenſtein nichts mehr in den Weg Schmid, Mütze und Krone. III. 11