mit ſchlichter Herzlichkeit, indem er auf ſie zutrat und einen Kuß auf ihre Lippen drückte. Ulrike kam ihrem Gatten mit einer etwas gemachten Freundlichkeit ent⸗ gegen.
„Ich muß um Entſchuldigung bitten, daß ich Dich aufhalte“, ſagte ſie,„allein bei Deinen vielen Geſchäf⸗ ten bleibt mir kein anderes Mittel übrig, Dich bei mir zu ſehen.“
„Der Tag gehört leider nicht mir“, antwortete Friedrich freundlich,„und für die Abende muß ich Dir Deinen Vorwurf zurückgeben. Du läßt manche Ge⸗ legenheit, mich zu ſehen, unbeachtet.“
„Sieh doch“, rief Ulrike mit etwas ſtechendem Lä⸗ cheln,„eine Anſpielung, die faſt einem überzuckerten Verweiſe gleicht! Das nimmt mir beinahe den Muth, Dir den Wunſch mitzutheilen, wegen deſſen ich—
„Einen Wunſch? Steht es in meiner Macht, ihn zu erfüllen“, erwiderte Friedrich galant, nſo bedarf's nur Deines Worts.“
Ulrike verbeugte ſich.„Es wird Dir nicht unbe⸗ kannt ſein, mit wie vieler Freundlichkeit ich in der hie⸗ ſigen Geſellſchaft aufgenommen wurde. Man zeichnet mich auf jede Weiſe aus; es iſt kein feiner Cirkel, in welchem Deine Gattin nicht gern geſehen und ungern vermißt würde.“


