Teil eines Werkes 
5. Band (1874)
Entstehung
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Unertl war in ſeiner heiterſten Laune; während der Krautmeiſter und ſeine Ehehälfte in ſtillem Vergnügen verloren waren, ſtrahlte die Kanzlerin vor Entzücken und vermochte ihre Augen von der Braut nicht abzu⸗ wenden. Ihr Angeſicht glich einem ſchönen, völlig ausgeheiterten Himmel. Auch Grünwald erging es ſo; aber ſein Beſchauen war minder freudig, es war ein minder heller Tag, mit trüben Zugwolken gemiſcht, er mochte wohl des zum zweiten Male blühenden Kirſchbaums gedenken, den der Reif verbrannte.

Sie waren beide nicht im Unrecht, wenn ſie Kor⸗ del wohlgefällig betrachteten. Das Mädchen hatte mit der ihr eigenen Feſtigkeit auch den Sturm ertragen, der ſie noch im letzten Augenblick aus dem ſchon er⸗ reichten Hafen in das hohe Meer zurückſchleuderte. Sie wußte, daß es vielleicht in ihrer Macht ſtand, demſelben mit einem Worte ein Ende zu machen; aber es kam ihr ſchwer an, dieſes eine Wort zu ſprechen; ſie wollte es nur für die äußerſte Noth aufſparen, auch wäre es nur ſchwer möglich geweſen, allein zu dem entfernten Kaiſer zu gelangen. Aber auch dieſe Prüfung hatte nur dazu gedient, ihr Gemüth einer letzten Läuterung zu unterziehen. Reiner noch ſtrahlte es jetzt von ihrer Stirn, noch heller blickte es aus ih⸗ ren Augen, lieblicher als je blühte es auf den zarten