dachte bey ſich ſelbſt:„Nein, es iſt doch beſſer, es durchaus mit der Wahrheit zu halten. Luͤgen waͤre ja Suͤnde. Um keinen Preis will ich eine Suͤnde begehen— und koͤnnte ich dadurch ſelbſt mein und meines Vaters Leben retten. Dir, o Gott, will ich gehorchen, und alles uͤbrige ge⸗ troſt Dir uͤberlaſſen.“ Sie ſagte hierauf mit lauter, bewegter Stimme:„Wenn ich ſagen wuͤrde, daß ich den Ring habe, ſo waͤre das eine Luͤge, und wenn ich mich durch eine Luͤge vom Tode befreyen koͤnnte, ſo wollte ich es doch nicht thun. Aber— fuhr ſie fort— wenn einmal Blut fließen ſoll, o ſo ſchonet doch der grauen Haare meines guten Vaters! Fuͤr ihn will ich mit Freuden mein Blut vergießen.“ — Von dieſen Worten wurden alle, die zuge⸗ 8 gen waren, geruͤhrt. Selbſt dem Richter, ein ſo ernſter, ſtrenger Mann er ſonſt war, gingen ſie zu Herzen. Er ſchwieg— und winkte, Ma⸗ rien wieder in das Gefaͤngniß zu fuͤhren. 8
Druckschrift
Das Blumenkörbchen : eine Erzählung, dem blühenden Alter gewidmet / von dem Verfasser der Ostereyer
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[Giessen] [2024]
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